Formate wie 60 × 120, 120 × 120 oder 120 × 260 cm sind schwer, biegeweich und unhandlich. Ohne Saugheber lassen sie sich kaum sauber transportieren und versetzen. Dieser Ratgeber zeigt, wie viele Geräte Sie für welches Format brauchen, wann ein Verlegerahmen nötig wird und wie Sie mit Buttering-Floating, Vibration und Nivelliersystem eine ebene, hohlraumfreie Fläche erreichen.
Gewicht und Handhabung der gängigen Formate
Feinsteinzeug wiegt rund 24 kg pro Quadratmeter bei 10 mm Stärke. Damit lassen sich die gängigen Formate schnell einordnen:
| Format | Stärke | Gewicht | Gripster | Personen |
|---|---|---|---|---|
| 60 × 120 cm | 10 mm | ca. 17 kg | 2 | 1 |
| 120 × 120 cm | 10 mm | ca. 35 kg | 2 bis 4 | 2 |
| 120 × 260 cm | 6 mm | ca. 45 kg | Verlegerahmen mit 4 bis 6 Saugtellern | 2 |
| 120 × 260 cm | 12 mm | ca. 90 kg | Verlegerahmen mit 6 bis 8 Saugtellern | 3 bis 4 |
Das eigentliche Problem ist bei großen Formaten selten das Gewicht, sondern die Biegung. Eine 6 mm starke Platte mit 2,6 m Länge wiegt nur 45 kg, bricht aber, wenn sie flach an einem Punkt angehoben wird. Wie Sie das Gewicht anderer Formate und Materialien berechnen, zeigt der Ratgeber Tragkraft richtig einschätzen.
Wie viele Vakuumgreifer Sie brauchen
60 × 120 cm: Zwei Gripster, jeweils etwa ein Viertel der Plattenlänge vom Ende entfernt. Mit einem Gerät in jeder Hand kann eine Person die Platte anheben, ablegen und im Kleberbett ausrichten. Ein einzelner Vakuumgreifer in der Mitte reicht nicht: Die Enden schwingen, die Platte lässt sich nicht sauber führen.
120 × 120 cm: Zwei Personen mit je einem oder zwei Vakuumgreifern. Beim Einlegen ins Kleberbett halten beide die Platte an gegenüberliegenden Seiten, damit sie gleichmäßig abgesenkt wird.
120 × 260 cm und größer: Hier gehört ein Verlegerahmen an die Platte. Einzelne Vakuumgreifer verteilen die Last nicht gleichmäßig genug, die Platte biegt sich zwischen den Haltepunkten durch.
In der Datenbank sind 151 Modelle für Großformate ausgewiesen. Sie kosten im Mittel 70 € und nennen 220 kg Tragkraft, 30 Prozent der elektrischen Modelle haben eine Nachpumpautomatik. Da ab 60 × 120 cm ohnehin zwei Geräte nötig sind, lohnt ein Blick auf Doppelpacks und Sets: Sie kosten im Mittel 44 € pro Gerät. Die passenden Modelle finden Sie unter Gripster für Großformat.
Verlegerahmen und Transporthilfen
Ein Verlegerahmen besteht aus Aluminiumprofilen, die sich auf das Plattenformat einstellen lassen. Darauf sitzen vier bis acht Saugteller und mehrere Griffe. Der Rahmen hält die Platte über die ganze Fläche steif und verhindert, dass sie sich beim Tragen oder Drehen durchbiegt. Viele Rahmen lassen sich mit der Platte vom senkrechten Transport in die Waagerechte schwenken, sodass die Platte direkt über dem Kleberbett abgesenkt werden kann.
Für längere Wege kommen Transportwagen für Platten dazu, auf denen die Platte hochkant oder im Rahmen gefahren wird. Zugeschnitten werden große Platten auf einem Schneidsystem mit durchgehender Auflage, nie frei in der Luft. Einen Überblick über die Alternativen gibt der Ratgeber Vakuumgreifer, Plattenträger oder Tragegurt?.
Platten auf der Baustelle lagern
Große Platten werden hochkant gelagert, an einem stabilen Bock oder an einer Wand, mit leichter Neigung und auf Kanthölzern oder Gummiklötzen. Flach auf unebenem Boden liegend kann schon das Betreten einer Ecke eine dünne Platte brechen. Lassen Sie die Platten in der Originalverpackung, bis Sie sie brauchen, und nehmen Sie sie mit den Vakuumgreifern direkt vom Stapel. Planen Sie den Weg vom Lagerplatz zum Verlegeort vorab: Türbreiten, Treppen und Kurven entscheiden bei 2,6 m Länge darüber, ob eine Platte im Rahmen oder nur hochkant auf dem Transportwagen an ihr Ziel kommt.
Untergrund und Kleber vorbereiten
Großformate verlangen einen ebeneren Untergrund als kleine Fliesen. Unebenheiten, die bei 30 × 60 cm im Kleberbett verschwinden, zeichnen sich bei 120 × 260 cm als Hohlstellen oder Überzähne ab. Prüfen Sie den Untergrund mit einer langen Richtlatte und gleichen Sie Mulden vor dem Verlegen mit Spachtelmasse aus.
Für die Verlegung bewährt hat sich das Buttering-Floating-Verfahren:
- Floating: Den Fliesenkleber auf dem Untergrund mit einer Zahnkelle aufziehen, bei Großformaten meist mit 10 bis 12 mm Zahnung. Ziehen Sie alle Riefen in dieselbe Richtung, am besten parallel zur kurzen Plattenseite.
- Rückseite reinigen: Die Plattenrückseite mit einem feuchten Schwamm von Staub und Trennmittelresten befreien.
- Buttering: Eine dünne Kontaktschicht Kleber mit der glatten Kellenseite auf die Rückseite auftragen.
- Einlegen: Die Platte innerhalb der offenen Zeit des Klebers einlegen. Hat sich auf dem Kleber bereits eine Haut gebildet, wird er neu aufgezogen.
Als Kleber eignet sich ein verformungsfähiger Flexkleber, bei dünnen Großformaten der Klasse C2 mit S1.
Platte einlegen und einrütteln
Legen Sie die Platte zuerst mit einer Kante an die Nachbarplatte bzw. an die Fugenmarkierung und senken Sie sie dann gleichmäßig ab. Schieben Sie die Platte anschließend einige Millimeter quer zu den Kleberriefen hin und her. So brechen die Riefen zusammen und die eingeschlossene Luft entweicht.
Hier kommt die Vibrationsfunktion ins Spiel. 19 Modelle in der Datenbank haben sie, alle mit ovaler Saugplatte. Sie kosten im Mittel 77 € und nennen eine mittlere Tragkraft von 250 kg, 95 Prozent arbeiten mit Wechselakku. Der Vakuumgreifer wird auf die liegende Platte gesetzt, die Vibration verdichtet das Kleberbett und schließt Hohlräume. Arbeiten Sie dabei von der Plattenmitte zu den Rändern und versetzen Sie das Gerät mehrmals. Zu langes Rütteln an einer Stelle drückt den Kleber zur Seite und kann die Platte einseitig absenken.
Ohne Vibration erreichen Sie dasselbe Ziel mit flachem Andrücken per Hand oder mit einem Gummihammer über einer Holzlatte, nur langsamer. Einen Überblick bieten die Vakuumgreifer mit Vibrationsfunktion und der Ratgeber Fliesen einrütteln mit Vibrationsfunktion.
Prüfen Sie zu Beginn die Kleberbenetzung: Heben Sie eine der ersten Platten wieder ab und kontrollieren Sie die Rückseite. Der Kleber sollte nahezu vollflächig anhaften. Zeigen sich trockene Stellen, passen Sie Zahnung, Kleberkonsistenz oder Einrütteln an.
Nivellieren
Bei großen Formaten fallen schon kleine Höhenversätze zwischen benachbarten Platten auf, vor allem im Streiflicht. Ein Nivelliersystem verhindert solche Überzähne:
- Laschen oder Zuglaschen werden unter die Plattenkanten geschoben, in Abständen von etwa 25 bis 40 cm.
- Keile oder Drehkappen ziehen die Kanten beider Platten auf dieselbe Höhe.
- Fugenbreite: Die Laschen geben zugleich die Fuge vor, bei rektifizierten Großformaten meist 2 bis 3 mm.
Das Nivelliersystem gleicht Kantenversätze aus, aber keinen unebenen Untergrund. Nach dem Aushärten des Klebers werden die Laschen mit einem Gummihammer in Fugenrichtung abgeschlagen.
Typische Fehler
- Ein Saugheber für eine lange Platte: Die Platte biegt sich durch und kann reißen.
- Flach tragen ohne Rahmen: Dünne Großformate werden hochkant oder im Rahmen getragen.
- Staubige Rückseite: Der Kleber haftet nicht, es entstehen Hohlstellen.
- Kleber mit Hautbildung: Die Platte haftet nur punktuell.
- Vakuumanzeige nicht beachtet: Vor jedem Anheben gehört ein Blick auf die Anzeige und ein kurzer Probehub dazu, wie im Ratgeber Sicher arbeiten mit Saughebern beschrieben.
Ein Saugheber, im Handwerk oft Gripster genannt, ersetzt keine sorgfältige Vorbereitung. Er macht aber das Ablegen, Ausrichten und Nachjustieren großer Platten erst präzise möglich.
Häufige Fragen
Wie viele Gripster brauche ich für eine Platte 120 × 260 cm?
Für dieses Format empfiehlt sich ein Verlegerahmen mit vier bis sechs Saugtellern bei 6 mm Stärke und sechs bis acht bei 12 mm. Einzelne Vakuumgreifer verteilen die Last nicht gleichmäßig genug. Eine 6 mm starke Platte wiegt rund 45 kg und wird von zwei Personen getragen, eine 12 mm starke mit rund 90 kg von drei bis vier.
Ersetzt die Vibrationsfunktion das Buttering-Floating?
Nein. Die Vibration verdichtet das Kleberbett und hilft, Hohlräume zu schließen. Eine vollflächige Benetzung erreichen Sie aber erst durch die Kombination aus Kleber auf dem Untergrund und einer dünnen Kontaktschicht auf der Plattenrückseite. Die Vibration ergänzt dieses Verfahren, sie ersetzt es nicht.
Kann ich Großformate allein verlegen?
Bis 60 × 120 cm ist das mit zwei Vakuumgreifern gut möglich, die Platte wiegt bei 10 mm Stärke rund 17 kg. Ab 120 × 120 cm sollten zwei Personen arbeiten, weil Gewicht und Größe ein gleichmäßiges Absenken allein kaum zulassen. Formate wie 120 × 260 cm brauchen einen Verlegerahmen und mindestens zwei Personen.