Glas ist für Vakuumgreifer eigentlich die ideale Oberfläche: glatt, dicht und eben. Trotzdem gehören Glasscheiben zu den heikelsten Lasten, weil sie bei einem Fehler nicht nur fallen, sondern brechen, und weil ihre Kanten schwere Schnittverletzungen verursachen. Dieser Ratgeber zeigt, wie Sie Scheiben, Spiegel und Fensterelemente mit dem Saugheber sicher aufnehmen, tragen und abstellen.
Wie schwer ist Glas?
Glas wiegt 2,5 kg pro Quadratmeter und Millimeter Stärke. Damit lässt sich jede Scheibe schnell einschätzen:
| Glasart | Typischer Aufbau | Gewicht pro m² |
|---|---|---|
| Spiegel | 4 mm | 10 kg |
| Einfachglas | 4 mm | 10 kg |
| ESG für Duschwände | 8 mm | 20 kg |
| VSG für Geländer und Brüstungen | 2 × 8 mm mit Folie | ca. 40 kg |
| Zweifach-Isolierglas | 4 + 4 mm | ca. 20 kg |
| Dreifach-Isolierglas | 4 + 4 + 4 mm | ca. 30 kg |
Eine Duschwand mit 90 × 200 cm in 8 mm ESG wiegt also rund 36 kg, ein Dreifach-Isolierglas mit 120 × 150 cm rund 54 kg, ohne Rahmen. Ab etwa 25 kg gehören zwei Personen an die Scheibe. Wie viel Reserve ein Vakuumgreifer dabei braucht, erklärt der Ratgeber Tragkraft richtig einschätzen.
Wichtig für Glas: Scheiben werden fast immer hochkant getragen. Die Last zieht dann parallel zur Dichtung, gehalten wird über Reibung. Ein Vakuumgreifer hält in dieser Lage deutlich weniger als seine Nennlast, rechnen Sie mit höchstens einem Viertel.
Gummi oder Schaumstoff auf Glas
Auf glattem Glas ist die Gummidichtung die erste Wahl. Sie legt sich vollflächig an und baut den höchsten Unterdruck auf. In der Datenbank sind 453 Modelle als glastauglich ausgewiesen. Sie kosten im Mittel 64 €, 89 Prozent davon haben eine Gummidichtung, nur 9 Prozent eine Schaumstoffdichtung. Die Auswahl finden Sie unter Vakuumgreifer für Glas.
Schaumstoff ist auf glattem Glas nicht nötig und nennt im Mittel weniger Tragkraft: 140 kg gegenüber 240 kg bei Gummi. Sinnvoll ist er bei Ornamentglas mit geprägter Oberfläche. Setzen Sie den Gripster dort möglichst auf die glatte Seite. Den grundsätzlichen Vergleich zeigt Gummi vs. Schaumstoff.
Gummi kann auf Glas helle oder graue Ringe hinterlassen. Nicht abfärbende Dichtungen vermeiden das, ansonsten lassen sich die Abdrücke mit Glasreiniger entfernen. Bei Glas, das später verklebt oder versiegelt wird, reinigen Sie die Kontaktstellen in jedem Fall gründlich.
Sauberkeit: Glas und Dichtung
Weil Glas hochkant über Reibung gehalten wird, ist Sauberkeit hier noch wichtiger als bei Fliesen.
- Kontaktstelle reinigen: Mit Glasreiniger oder Isopropanol, danach trocken wischen. Fingerabdrücke und Fett mindern die Reibung.
- Kein Wasserfilm: Nasses Glas lässt die Dichtung unter Querlast rutschen, auch wenn die Anzeige ausreichend Unterdruck meldet.
- Schutzfolie entfernen: Viele Scheiben werden mit Folie geliefert. Ein Vakuumgreifer auf der Folie hält nur die Folie.
- Dichtung prüfen: Glassplitter und Sand beschädigen die Dichtlippe und können Kratzer auf der Scheibe verursachen.
Bei Spiegeln setzen Sie den Gripster immer auf die Glasseite, nie auf die lackierte Rückseite. Die Beschichtung kann sich lösen und hält dem Unterdruck nicht stand. Bei beschichtetem oder satiniertem Glas wählen Sie die glatte, unbeschichtete Seite.
Temperaturen
Kälte wirkt sich doppelt aus. Gummi wird hart und dichtet schlechter, und auf kalten Scheiben bildet sich Kondenswasser, sobald sie in einen warmen Raum kommen. Wischen Sie die Kontaktstelle trocken, kontrollieren Sie die Vakuumanzeige häufiger und arbeiten Sie bei Frost auf Glas nur mit trockener, eisfreier Oberfläche. Lassen Sie den Saugheber vor dem Einsatz warm werden.
Wärme ist weniger kritisch. Scheiben, die in der Sonne lagen, können sich stark aufheizen. Die Dichtung wird weicher und hinterlässt leichter Abdrücke. Der Akku sollte nicht in praller Sonne liegen.
Kanten schützen
Die Kante ist die Schwachstelle jeder Scheibe. Ein Stoß an Kante oder Ecke genügt, damit Floatglas reißt oder vorgespanntes Sicherheitsglas schlagartig in kleine Krümel zerfällt.
- Kantenschutz: Gummi- oder Kunststoffprofile, Kantenschutzecken oder gefaltete Pappe an allen freiliegenden Kanten.
- Weich abstellen: Scheiben nie direkt auf Beton, Fliesen oder Metall stellen, sondern auf Holzklötze, Gummiklötze oder Teppichreste.
- Nicht über Kanten schieben: Eine Scheibe, die über eine Tischkante oder eine Treppenstufe gezogen wird, kann an der Auflage brechen.
Richtig tragen und transportieren
- Hochkant tragen: Scheiben werden aufrecht getragen, nie flach. Flach liegend biegen sie sich durch und brechen.
- Saugheber oberhalb des Schwerpunkts ansetzen: So hängt die Scheibe stabil und kippt nicht. Halten Sie einige Zentimeter Abstand zur Kante.
- Zweite Hand an die Unterkante: Mit schnittfestem Handschuh die Scheibe von unten stützen und führen.
- Zwei Personen bei großen Scheiben: Jede Person mit eigenem Gripster, Kommandos vorher absprechen.
- Wind beachten: Im Freien wirkt eine große Scheibe wie ein Segel. Bei böigem Wind verschieben Sie den Transport.
- Im Fahrzeug: Scheiben hochkant mit leichter Neigung an einem Glasgestell oder Transportbock sichern, mit Gurten fixieren und mit Zwischenlagen voneinander trennen.
Eine Nachpumpautomatik ist bei Glas besonders nützlich, weil Scheiben oft über längere Wege und Treppen getragen werden. 31 Prozent der glastauglichen elektrischen Modelle bieten sie. Vor jedem Tragen gehören trotzdem ein Blick auf die Anzeige und ein kurzer Probehub dazu.
Fenster, Isolierglas und Spiegel einsetzen
Saugheber helfen nicht nur beim Tragen, sondern vor allem beim Einsetzen, wo Hände an der Scheibe keinen Platz haben.
Isolierglas: Setzen Sie den Gripster auf die äußere, glatte Scheibe. Wärmeschutzbeschichtungen liegen meist innen im Scheibenzwischenraum und sind dort geschützt. Rechnen Sie bei Fensterflügeln das Gewicht von Rahmen und Beschlägen hinzu, das schnell so viel ausmacht wie das Glas selbst. Die Scheibe wird auf Verglasungsklötze im Falz abgesetzt und erst dann in den Rahmen gekippt. Lösen Sie den Vakuumgreifer erst, wenn die Scheibe sicher steht und gesichert ist.
Spiegel: Großformatige Spiegel werden mit Spiegelkleber auf die Wand gesetzt. Zwei Vakuumgreifer auf der Glasseite erlauben es, den Spiegel exakt anzulegen, ohne die Fläche mit den Fingern zu berühren. Stützen Sie die Unterkante während der Aushärtezeit mit Distanzklötzen ab, statt den Spiegel am Saugheber hängen zu lassen.
Duschwände und Glastüren: Hier sind Bohrungen und Ausschnitte für Beschläge die empfindlichsten Stellen. Setzen Sie den Gripster mit Abstand zu Bohrungen an und tragen Sie die Scheibe so, dass die Bohrungen keine Last aufnehmen.
Kurzcheck vor jedem Anheben
| Prüfpunkt | Worauf Sie achten |
|---|---|
| Gewicht | Fläche in m² × Stärke in mm × 2,5 = kg |
| Kontaktstelle | Sauber, trocken, ohne Folie, glatte Seite |
| Dichtung | Unbeschädigt, frei von Splittern und Sand |
| Vakuumanzeige | Im Arbeitsbereich, Probehub ohne Druckabfall |
| Kanten | Geschützt, Abstellplatz mit weicher Unterlage vorbereitet |
| Weg | Frei, Türen offen, kein böiger Wind |
Schutzausrüstung beim Glastransport
- Schnittschutzhandschuhe mit griffiger Beschichtung.
- Armschoner bei großen Scheiben, weil Bruchkanten vor allem Unterarme gefährden.
- Sicherheitsschuhe mit Zehenschutzkappe.
- Schutzbrille beim Zuschneiden und beim Umgang mit beschädigtem Glas.
- Lange Ärmel aus festem Stoff.
Ein Saugheber, im Handwerk oft Gripster genannt, macht Glas sicher greifbar, wenn Dichtung, Oberfläche und Tragetechnik zusammenpassen. Die allgemeinen Regeln für den Umgang mit Vakuumgreifern fasst der Ratgeber Sicher arbeiten mit Saughebern zusammen.